»Das Gerät funktioniert nicht. Das Feature-Werk Sybille Tamins. Samt möglicher Abschweifungen zu Friedrich Schütze-Quest und Horst Krüger«

Radio-Features ohne großartige Originaltonaufnahmen: Eigentlich undenkbar. Das Feature, heißt es, lebe von klanglicher Opulenz; von erstklassig aufgenommenen Interviews und suggestiven „Atmos“. Einzig dadurch entstehe der „Film im Kopf“, der sich zusammensetzt aus dem Dreigestirn des Features: Wahrheit; Verläßlichkeit; Authentizität.

Nun gibt es aber eine Autorin, und das seit vielen Jahrzehnten, bei der ist das anders: Sybille Tamin. Das Mikrofon ist nicht ihr Freund, und das läßt sich ihren Stücken abhören. In Tamins Werk tauchen Originaltonaufnahmen bloß spärlich auf, und wenn, dann seltsam wacklig, bassarm, unkonturiert, hallig; als könne da eine, die für’s Radio arbeitet, nicht umgehen mit ihren Geräten. Wie (in einen großen Raum) hinein- aber niemals (auf einen Punkt) hingehalten wirken die Mikrofonpositionen, als scheue die Autorin (und Aufnehmende) das wesentlich Deiktische des Mikrofons und wolle nicht zu nah an die Tonquelle heran und schon gar nicht (akustisch & physisch) auf sie zeigen.

Der Effekt: Geräusche wie Gesprächsteile rücken in die Ferne, bleiben eindimensional und verhallen konturlos. Sie besetzen (oder kreieren) keinen eigenen Raum, sondern sind – wie nebenbei – nur da. Geräuschkulisse bestenfalls.

Unfähigkeit? Wohl kaum. Wer trotz der Verfügbarkeit von erstklassigem Equipment und dem Wissen, daß das Radio-Feature Atmo & O-Ton benötige keine guten Aufnahmen herstellt, der verfolgt damit ein ästhetisches Ziel.

Aber welches?